Freudenberg Sealing Technologies hat ein neues Dichtungssystem für elektrische Durchführungen in Klimakompressoren für Fahrzeuge entwickelt. Die Lösung ist für Busbars und Pins in Kompressorgehäusen vorgesehen und wurde speziell für CO₂-Kompressoren mit R744 als Kältemittel entwickelt.
Der Umstieg auf natürliche Kältemittel verändert die Anforderungen an Dichtungen. R134a und R1234yf werden im Automotive-Bereich zunehmend durch Alternativen wie CO₂ und Propan ersetzt. Vor allem CO₂ stellt hohe Anforderungen an eine Dichtung, da der Druck in diesen Kompressoren deutlich höher liegt als bei konventionellen Kältemitteln.
Bei CO₂-Kompressoren spielt Permeation eine große Rolle. CO₂-Moleküle können in das Elastomermaterial eindringen. Wenn der Druck anschließend schnell abfällt, können eingeschlossene Gasmoleküle expandieren und die Dichtung von innen beschädigen. Das ist als explosive Dekompression bekannt.
Für Busbar-Sealing ist das besonders kritisch. Die Dichtung muss nicht nur Druck und Medium standhalten, sondern auch elektrische Durchführungen zuverlässig isolieren. Freudenberg verwendet deshalb Elastomervarianten mit einem hohen Comparative Tracking Index (CTI), damit Kriechströme an der Busbar-Durchführung verhindert werden.
Laut Freudenberg hat das neue Dichtungssystem in Lecktests Drücke von mehr als 100 bar standgehalten. Die Lösung wurde aus einer Kombination von Materialauswahl, Dichtungskontur und Herstellbarkeit entwickelt.
Damit positioniert Freudenberg die Dichtung als Alternative zu traditionellen Glasabdichtungen. Je nach Anwendung kann der Preis pro abgedichtetem Busbar oder Pin laut Unternehmen um bis zu 30% niedriger ausfallen. Da ein Kompressor in der Regel drei Busbars enthält, kann das in der Serienproduktion einen relevanten Unterschied machen.
Neben den Kosten nennt Freudenberg auch Kompaktheit und Flexibilität als Vorteile. In modernen Kompressorumgebungen ist der verfügbare Bauraum begrenzt. Ein kompaktes Elastomer-Dichtungssystem kann darauf besser abgestimmt werden als eine Standardlösung aus Glas.
Laut Freudenberg deckt das Materialportfolio einen Temperaturbereich von -40 °C bis über 200 °C ab. Die Dichtungen wurden für CO₂ entwickelt, können aber auch für andere Kältemittel und Hochdruckanwendungen geeignet sein.
Freudenberg arbeitet inzwischen mit mehreren Kompressorherstellern an konkreten Entwicklungsprojekten. Die ersten Prototypen wurden validiert. Die Technologie ist daher nicht nur für CO₂-Klimakompressoren interessant, sondern möglicherweise auch für andere Anwendungen, bei denen hoher Druck, elektrische Durchführungen und Medienbeständigkeit zusammenkommen.
Für die Dichtungstechnik ist dies ein klares Beispiel dafür, wie die Energiewende und neue Kältemittel das Dichtungsdesign direkt beeinflussen. Eine Dichtung muss hier nicht nur dicht bleiben, sondern auch elektrisch sicher, kompakt und beständig gegen extreme Druckschwankungen sein.
Quelle
Freudenberg Sealing Technologies. (2026, 7. Mai). Perfect hold: Even at over 100 bar. https://www.fst.com/news-stories/press-releases/2026/busbars-compressors/
Haben Sie Fragen zu ?
Füllen Sie das untenstehende Formular aus und wir helfen Ihnen!